Sonntag, 6. August 2017

[Rezension] Die einzige Wahrheit

Titel: Die einzige Wahrheit | Autorin: Jodi Picoult | Verlag: Piper Verlag 
Preis: 11,00€ (TB) | Seitenanzahl: 464 Seiten 
ISBN: 978-3-492-24524-1
Kaufen: Hier (Neuauflage)

Inhaltsangabe
Das Leben macht keine Atempause für den Tod.
Tiefe Verzweiflung erfasst die junge Katie. Doch in der kleinen Amisch-Gemeinde von Lancaster County kann sie niemandem ihr Geheimnis anvertrauen. Deshalb betet sie zu Gott, dass das hilflose Bündel vor ihr im Stroh für immer aus ihrem Leben verschwinden möge – und steht wenig später unter Mordverdacht. Vor dem faszinierenden Hintergrund der Lebenswelt einer Amisch-Gemeinde erzählt Jodi Picoult von Liebe und Tod, Verrat und bewegender Treue: ein meisterhafter psychologischer Thriller und die Geschichte einer mitreißenden Freundschaft zweier ungewöhnlicher Frauen.
(Quelle: Piper Verlag)


Meine Meinung

Ein amisches Highlight


Wer die sehr interessante Gemeinde der Amisch bereits aus anderen Büchern oder Filmen kennt, der wird dieses Buch mit Freude lesen. Mir persönlich ist diese Glaubensgemeinschaft bekannt und ich freue mich immer wieder, wenn ich in der Literatur auf dieses Thema treffe.

Was mich an diesem Thema so begeistert?
Es ist weniger der sehr strenge Glaube, sondern der zurückgezogene Lebensstil. Mit zurückgezogen möchte ich nun nicht auf einen sozialen Rückzug hindeuten, sondern auf die Welt der Technik und Medien. Für uns kaum vorstellbar, leben die Amisch ohne jegliche neue Technik. Kein Telefon, kein Fernseher, kein Internet.
Die Kinder wachsen unter ganz anderen Gesichtspunkten heran, als unsere Kinder.
In vielerlei Hinsicht mag der Technikvormarsch eine Bereicherung sein, aber sobald ich in Büchern auf diese Gemeinde treffe, spüre ich eine innerliche Ruhe. Die Amischen beschäftigen sich nicht mit Politik, mit den Sorgen der Prominenz oder anderen Sachen. Sie leben sehr familienbezogen und das lässt mich in den Büchern sehr wohl fühlen. 

"Wenn ich in den letzen zehn Tagen überhaupt etwas gelernt hatte, dann, daß die amische Lebensart langsam war. Man arbeitete gewissenhaft, jede Fahrt dauerte ewig, sogar ihre Gottesdienstlieder klangen besonnen und traurig. Amische Menschen sahen nicht ständig auf die Uhr. Sie waren nicht in Eile, sie nahmen sich einfach so viel Zeit, wie sie für eine Aufgabe brauchten." (S. 154)

Nun aber zum Buch von Jodi Picoult…

Mit Katie lernen wir hier eine Protagonistin kennen, welche ich von Anfang bis zum Ende nur sehr schwer einschätzen konnte. Diese Charakterdarstellung ist der Autorin also sehr gut gelungen. Wer hier einschätzen kann, ob sie ein Opfer oder eine Täterin ist, dem gestehe ich hellseherische Kräfte ein. Diesen sehr undurchschaubaren Punkt mochte ich sehr. Man wollte immer weiterlesen, mehr Informationen bekommen, um sich endlich das wahre Bild über die junge Frau machen zu können. Ein Urteil zu fällen, ist bei diesem Fall gar nicht leicht, da die Amischen einfach anders sind.

"Man verhält sich nicht amisch, wie Mr. Callahan das unterstellt hat. Man lebt amisch. Man ist amisch." (S. 304)

Ein weiterer Charakter, der mich zutiefst begeistern konnte, ist die Anwältin Ellie Hathaway. Als die amische Katie unter Mordverdacht steht, wird Ellie von einer gemeinsamen Verwandten um Hilfe gebeten. Ellie soll Katie im Prozess unterstützen. Das Spannende an diesem Punkt war, dass Katie nur mit Kaution auf der Untersuchungshaft entlassen wird, wenn ihre Anwältin, also Ellie, bei ihr in deren Häuslichkeit lebt. So kam es dazu, dass Ellie, bei der Familie Fisher einzieht und nach amischen Gesichtspunkten lebt. Erschwert wird ihre anwaltliche Tätigkeit durch das altmodische Leben der Amischen: kein Auto, kein Internet, kein Computer. Aber Ellie wäre nicht Ellie, wenn sie das daran hindern würde, alles für Katie zu geben.
Spannend ist hier der Punkt, dass Ellie und Katie eine gemeinsame Tante haben und Ellie trotzdem die Verteidigung übernehmen darf. Bei diesen Einblicken im Buch haben mich die Szenen, in denen sich die junge Anwältin versucht, so gut es geht bei der amischen Familie Fisher zu integrieren und sich ihrer Lebensweise anzupassen. Es war schön zu erfahren, was alles dazu gehört.

Wie ihr bereits grob herauslesen könnt, beinhaltet auch dieses Buch wieder einen langwierigen Prozess. Diese sind in den Büchern von Jodi Picoult sehr häufig enthalten. Hier ist der laufende Prozess allerdings zu keiner Sekunde langweilig. Der Fall selbst und Katie als undurchschaubare Angeklagte machen es zu einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit.

Jedem, den diese Einzelheiten zur Geschichte schon ausreichen, um ein gewissen Interesse zu wecken, der sollte dieses ältere Werk der Autorin unbedingt lesen.
Immer wieder fällt mir auf, dass mir die älteren Bücher von Jodi Picoult viel mehr zusagen. Sie beinhalten spannendere Themen, sind emotionaler und regen gewaltig zum Nachdenken an. Schreibstiltechnisch behält sie ihren sehr angenehmen, informativen und flüssigen Schreibstil bei, welcher jedes Buch zu einem Erlebnis macht.


Mein Fazit
Für mich aufgrund der Story und der Thematik Amisch ein absolutes Highlight.
Picoult spielt mit den Gefühlen und dem Gewissen des Lesers, dies kann sie einfach zu gut und auch hier schafft sie es wieder. Man ist hin und hergerissen, hat keine Idee, welche Geschichte sich hinter allem versteckt, schwankt zwischen Schuld und Unschuld und man ist am Ende einfach nur sprachlos und begeistert, wenn man die letzte Seite des Buches umblättert.
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Die Autorin
Jodi Picoult, geboren 1967 in New York, studierte in Princeton und Harvard. Seit 1992 schrieb sie mehr als zwanzig Romane, von denen viele Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste waren. Die Autorin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, wie etwa 2003 mit dem renommierten New England Book Award. Picoult lebt mit ihrem Mann, drei Kindern und zahlreichen Tieren in Hanover, New Hampshire.
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