Montag, 5. Juni 2017

[Rezension] Die Liebe in diesen Zeiten

Titel: Die Liebe in diesen Zeiten | Autor: Chris Cleave | Verlag: Dtv Verlag
Preis: 16,90€ (PB) | Seitenanzahl: 496 Seiten | ISBN: 978-3-423-26140-1
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Inhaltsangabe
Eine große Liebesgeschichte in Zeiten des Krieges
Mary North ist jung, hübsch und aus guter Familie. In ihrem ganzen Leben musste sie noch nichts Schwereres heben als ein Cocktailglas. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldet sie sich impulsiv und voller Enthusiasmus in London zur Truppenunterstützung. Sie wird allerdings ganz unheroisch nur als Hilfslehrerin an einer Schule eingesetzt. Dabei lernt sie Tom kennen, der bei der Schulbehörde arbeitet. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen... Aber ihre Verlobung begegnet größeren Hindernissen als nur dem Widerstand von Marys Familie. Denn eines Tages kommt Toms Freund Alistair, der sich freiwillig gemeldet hat, auf Heimaturlaub, und sein Zusammentreffen mit Mary löst in ihnen beiden heftige, nie gekannte Gefühle aus. Doch sie werden einander so bald nicht wiedersehen. Briefe sind ihre einzige Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben. Und bald überschattet das Drama des Krieges alles andere. Mary und Alistair sehen sich Erfahrungen ausgesetzt, die in ihrem Grauen fast unwirklich erscheinen. Wie lange werden sie noch aneinander Halt finden können?
(Quelle: Dtv)


Meine Meinung

Ein fehlleitender Titel


Und es war gerade der Titel, der mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Ich lese unheimlich gerne Bücher, welche in der Weltkriegszeit spielen und die Liebe stand in der damaligen Krisenzeit unter keinem guten Stern.
Wie viele Liebende konnten ihre Liebe nicht ausleben, weil die Männer an die Front mussten?
Wie viel Liebe zerfloss, weil es so schwer war in Kontakt zu bleiben?
Wie viel Glück ist damals zerbrochen, weil der Mann nicht aus dem Krieg zurück kam?
Hinsichtlich der Liebe war der Zweite Weltkrieg ein schlimmes Omen und ich war sehr gespannt, wie diese im Klappentext hervorgerufene Dreieckskonstellation im Buch erzählt wird.

Der Einstieg ins Buch gelang mir sehr, woran auch der sehr angenehme Schreibstil seinen Anteil hatte. Ich hatte sofort meinen Sympathiecharakter in Alistair gefunden und mochte, wie der Autor den Beginn des 2. Weltkrieges dem Leser näher brachte. Besonders erschreckend waren die Annahmen der Menschen in Bezug auf die Dauer des Krieges. Es stimmte mich als Leserin des Öfteren sehr traurig, wenn viele von 4 Wochen ausgingen und dann voller Optimismus wieder ihr altes Leben aufnehmen wollten. Als Leser und mit ein wenig Geschichtskenntnissen wird uns natürlich sofort klar, wie falsch die Menschen damals lagen.

Des Weiteren konnte der Autor es sehr gut darlegen, wie unterschiedlich die Menschen die Kriegssituation an sich damals angenommen bzw. akzeptiert haben. Im Buch haben wir den Lehrer Tom, welcher sich unsterblich in Mary verliebt und sich nichts Sehnlicheres wünscht, als ihr den Hof zu machen und sie als Frau an seiner Seite zu wissen. Den Krieg mit seinem Schrecken bekommt er nur am Rande mit. Sein bester Freund Alistair hingegen meldet sich freiwillig und erfährt am eigenen Leib wie schrecklich die Kriegssituation ist.
Schnell wird er geplagt von einer innerlichen Taubheit. Dies zeigt Chris Cleave sehr gut auf, als Alistair seinen Freund Tom und dessen Freundin Mary in London besucht. Alistair steht förmlich neben sich und kann die recht ruhige Atmosphäre in London gar nicht richtig annehmen.

Und dann passier das, was der Titel des Buches verspricht. Liebe!
Mary und Alistair spüren, dass da etwas ist. Aber keiner wagt den Schritt, weder des Ansprechens, noch den Annäherns. Alistair reist wieder ab, zurück an die Front und Mary bleibt zurück bei Tom.

Gesagt sei noch und das erfährt man erst in den angefügten Worten des Autors, dass er in dem Buch in groben Zügen den Werdegang seines Großvaters beschreibt, welcher als britischer Soldat auf Malta diente. Die Zeit des 2. Weltkrieges auf dieser Insel war mir bisher total unbekannt und ich freue mich, dass ich auch hier nun ein paar Bilder vor Augen habe.

Bis hierhin konnte ich bei dem Buch total mitgehen, aber dann nahm der Autor einen anderen Weg ein, als ich erwartet habe.
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Bei Büchern, welche sowohl ein Krisenproblem, als auch eine emotionale Komponente mit sich bringen, erhoffe ich mir immer wachsende Charaktere. Figuren, die anfänglich noch nicht wissen, wohin es gehen soll. Unter diesen erschwerten Bedingungen aber einen Weg finden und diesen dann auch mit neu gefundenen Charakterstärken gehen.
In diesem Buch enttäuschte mich vor allem der weibliche Hauptcharakter Mary.
Mary wusste anfänglich nicht wohin ihre Gefühle sie ziehen, als sie sich dann klar wurde, war es fast zu spät, so schien es. Auch beruflich war sie eine wankelmütige Figur. Erst total enttäuscht über den lapidaren Einsatz als Lehrerin, wollte sie auf einmal gar nicht mehr aufhören, sich um die Kinder zu kümmern. Während der Kriegszeit meldete sie sich mit einer Freundin beim Rettungsdienst, aber auch hier wurde sie von ihren schwachen Eigenschaften übermannt.

Alistair, fast am anderen Ende der Welt, denkt an Mary, aber von Liebe kann hier meiner Meinung nach keine Rede sein. Der Titel führt glaub ich viele Leser in die Irre. Gerade die, welche auf der Suche nach einer großen Lovestory sind. In diesem Buch nimmt das Kriegsgeschehen mit seinen psychischen Folgen einen deutlich größeren Stellenwert ein, als die Liebe an sich.
Neben dem Titel, hätte ich auch ein anderes Cover gewünscht. Anhand der Trümmer im Hintergrund erahnt man, dass es auch um Zerstörung geht, aber dieses Buch ist meiner Meinung nach deutlich düsterer, als Titel und Cover, vor allem auch die Farbgestaltung es versprechen.
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Mit dem Ende konnte der Autor die Message des Buches noch einmal ganz gut übermitteln. Für mich war es ein ruhiges und zurückhaltendes Ende, aber es stellte sich mir die große und entscheidende Frage:
IST LIEBE NACH ALL DIESEM ÜBERHAUPT MÖGLICH?

Ob auch andere Leser diese Mitteilung aus dem Ende herauslesen, ist denk ich jedem selbst überlassen.


Mein Fazit
Für mich ist es ein Roman, der viele interessante Eindrücke zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in London und auch Malta vermittelt. Auf Grund meiner Kritik an Titel und Cover wird dieses Buch allerdings in einigen falschen Händen landen, einfach weil viele Käufer eine große Lovestory erwarten, welche für mich hier aber eher unterschwellig vorhanden ist. Leser, die sich zurückversetzen lassen wollen in diese Zeit des Krieges, sollten keine Angst vor vielen herzerweichenden Liebesszenen haben und zu dem Buch greifen.


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Der Autor
Chris Cleave hat u.a. als Kolumnist für den englischen 'Guardian' geschrieben, als Barmann und Hochseematrose gearbeitet, Meeresnavigation unterrichtet und eine Internetfirma aufgezogen. Bereits sein erster Roman 'Lieber Osama' wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, sein zweiter, 'Little Bee', zu einem Weltbestseller. Er lebt mit seiner Familie in London.
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Mein herzlichster Dank 
für die Bereitstellung des Leseexemplares gilt